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So verstehen Sie Ihren Heuschnupfen besser


Bild: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Hatschi! Jetzt im FrĂŒhling mĂŒssen Sie wieder niesen - und zwar so oft hintereinander, dass es Sie durchschĂŒttelt? Willkommen in der Pollensaison! 

Heuschnupfen ist hierzulande die hÀufigste Allergie: SchÀtzungsweise 15 von 100 Erwachsenen sind laut dem Portal «gesund.bund.de» davon betroffen, Frauen etwas hÀufiger als MÀnner. Immerhin: Ein paar Dinge können Betroffene tun, um besser mit ihrer Pollenallergie zu leben. Sieben Fragen und Antworten. 

Warum raten Experten davon ab, Heuschnupfen zu ignorieren?

Aus gleich mehreren GrĂŒnden ist es keine gute Idee, bei einer Pollenallergie gar nicht aktiv zu werden. Der Allergologe Prof. Torsten Zuberbier von der Berliner CharitĂ© zĂ€hlt auf: 

  • Aus einer unbehandelten Pollenallergie kann sich mit der Zeit ein allergisches Asthma mit Atemnot, starkem Husten und EngegefĂŒhl in der Brust entwickeln.
  • Die LeistungsfĂ€higkeit in Job oder Schule kann einen Knick erleiden. Das liegt auch daran, dass der Schlaf oft schlechter ausfĂ€llt.
  • Es drohen gefĂ€hrliche Situationen, etwa im Straßenverkehr. «Wenn Sie plötzlich niesen, schließen Sie die Augen. Das ist ein Reflex. Wenn das auf einer Landstraße in der Kurve passiert, kann es das letzte Mal gewesen sein», sagt Torsten Zuberbier. 

Was passiert ĂŒberhaupt bei einer Pollenallergie im Körper? 

Unser Immunsystem meint es einfach nur gut mit uns, schießt dabei aber ĂŒber das Ziel hinaus. Konkret deutet es BlĂŒtenstaub bzw. die darin enthaltenen Eiweiße fĂ€lschlicherweise als Gefahr, wenn sie auf unseren SchleimhĂ€uten landen - und wehrt sich dagegen. Dabei kommt es zur AusschĂŒttung des Botenstoffs Histamin, das die klassischen Allergiesymptome auslöst. 

Was sind typische Symptome? 

«Wenn ich gerötete, juckende Augen, Niesreiz und eine laufende Nase habe, vielleicht auch ein Kratzen im Hals, spricht das fĂŒr eine Pollenallergie», sagt Torsten Zuberbier, der Vorsitzender der EuropĂ€ischen Stiftung fĂŒr Allergieforschung Ecarf ist. 

Der Verdacht erhĂ€rtet sich umso mehr, wenn die Symptome nicht nach wenigen Tagen wieder verschwinden und vor allem, wenn sie stets in einem bestimmten Zeitraum im Jahr und vor allem draußen auftreten. 

Wer auf FrĂŒhblĂŒher wie Hasel und Erle reagiert, kann - abhĂ€ngig von der Witterung - schon ab Februar Symptome erleiden, im MĂ€rz kommt dann die Birke hinzu. Die Hauptsaison fĂŒr eine Allergie gegen GrĂ€serpollen setzt im Mai ein und dauert etwa bis Ende Juli, so der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB). 

Wo und wie kann ich abklÀren lassen, ob es Heuschnupfen ist? 

Hier ist ein Facharzt oder eine FachÀrztin mit der Zusatzbezeichnung Allergologie die richtige Adresse. Typischerweise sind das Haus-, Haut-, HNO- oder LungenÀrzte.

Wer dort gut vorbereitet aufkreuzen möchte, kann vorab eine Zeit lang ein Allergie-Tagebuch fĂŒhren, also festhalten: Wann genau hatte ich welche Beschwerden? Nutzen kann man dafĂŒr eine Vorlage des Allergieinformationsdienstes.

Bei der Diagnostik fĂŒhrt Arzt oder Ärztin in der Regel einen sogenannten Prick-Test durch - bringt also Lösungen mit verschiedenen Allergenen in die Haut ein. Liefert diese Untersuchung kein klares Ergebnis, schließt sich eine Blutuntersuchung an. Dabei wird geprĂŒft, ob darin bestimmte Antikörper nachweisbar sind.

Wie können Medikamente helfen? 

Medikamente können eine Pollenallergie an sich nicht wegzaubern, aber sie können die Symptome lindern. So wird Durchatmen möglich - oder ein Spaziergang durchs GrĂŒn, ohne dass die Augen wie wild jucken. Zwei Medikamentengruppen sind fĂŒr Pollenallergiker relevant, wobei es auch eine Kombination beider gibt. 

  • Antihistaminika

Antihistaminika gibt es als Tabletten, Nasenspray oder Augentropfen. Der jeweilige Wirkstoff unterbindet die allergischen Reaktionen, indem er dafĂŒr sorgt, dass der Botenstoff Histamin nicht andocken kann. Das lindert Beschwerden wie juckende Augen, NiesanfĂ€lle oder kribbelnde SchleimhĂ€ute.

  • kortisonhaltige Nasensprays

Bei einer verstopften Nase hingegen sind Nasensprays mit dem Wirkstoff Kortison meist hilfreicher als Antihistaminika. «Es wirkt auf alle EntzĂŒndungsreaktionen in der Nasenschleimhaut ein, fĂŒhrt also dazu, dass die Abwehrzellen insgesamt weniger aktiv sind», sagt Torsten Zuberbier. 

Viele greifen nur bei Bedarf zu Allergiemedikamenten - so wie man es von der Kopfschmerztablette kennt. Das bringt Allergologe Zuberbier zufolge einen Nachteil mit sich: «So laufen Sie dem Geschehen hinterher. Denn: Die Histamin-Rezeptoren werden immer empfindlicher und damit werden die Beschwerden stÀrker im Laufe der Zeit.» Besser: In der Allergiesaison jeden Tag zu Tablette oder Spray greifen. 

Übrigens: Bei leichteren Beschwerden am Auge reichen womöglich schon TrĂ€nenersatzmittel aus. Sie befeuchten die Augen und helfen dabei, Pollen auszuspĂŒlen. «Wichtig ist aber, möglichst konservierungsmittelfreie PrĂ€parate zu verwenden», rĂ€t Seleman Bedar, Ă€rztlicher Leiter des OSG Augenzentrums Siegburg. Konservierungsmittel können das Auge nĂ€mlich reizen und die Beschwerden verschlimmern. 

Welche Verhaltenstipps kann ich im Alltag ausprobieren? 

Die schlechte Nachricht: Pollen finden immer irgendwie den Weg ins Zuhause. Allergiker können daher die Anschaffung eines Luftreinigers erwÀgen, der die Pollenkonzentration im Raum reduziert. ZusÀtzlich wird das Zuhause mit folgenden Handgriffen, zu denen der DAAB rÀt, etwas pollenfreier:

  • Pollenschutzgitter an den Fenstern anbringen. Gut zu wissen: FĂŒr einen ausreichenden Luftaustausch muss man dann etwas lĂ€nger lĂŒften. 
  • BettwĂ€sche und andere Textilien in der Wohnung hĂ€ufiger waschen als sonst. Vorsicht: Bei starkem Pollenflug hĂ€ngt man sie aber besser nicht auf die WĂ€scheleine draußen. 
  • Weil sich Pollen auf MöbelflĂ€chen und dem Boden ansammeln, macht hier hĂ€ufigeres Wischen Sinn. 
  • Damit möglichst wenig Pollen den Weg ins Bett finden, sollte man sich außerhalb des Schlafzimmers umziehen und am Abend die Haare waschen. 
  • PrĂŒfen sollten Allergikerinnen und Allergiker auch, welche Blumen sie sich ins Haus holen - vor allem, wenn es Feldblumen sind. Wer auf Beifuß reagiert, hat oft auch mit verwandten Pflanzen wie Sonnenblumen oder Goldrute Probleme, erklĂ€rt das Portal «Klima Mensch Gesundheit» des Bundesinstituts fĂŒr Öffentliche Gesundheit. 
  • Es gibt zudem Torsten Zuberbier zufolge erste wissenschaftliche Erkenntnisse, dass eine ballaststoffreiche, ausgewogene ErnĂ€hrung bei Allergien von Vorteil ist. 

Was muss ich ĂŒber eine Hyposensibilisierung wissen? 

Medikamente behandeln bloß die Symptome. Es gibt mit der spezifischen Immuntherapie - auch Hyposensibilisierung genannt - aber eine Behandlung, die an der Ursache ansetzt. 

Der Plan: Der Körper soll sich an das Allergen gewöhnen, indem er regelmĂ€ĂŸig - per Spritze oder als Tropfen unter der Zunge - in Kontakt mit einer geringen Menge davon kommt. Dieser Prozess dauert rund drei Jahre. Mit der Zeit lernt das Immunsystem, beim Kontakt mit Pollen nicht direkt «Alarmstufe Rot» zu signalisieren. 

Bei anderen Allergien - etwa gegen Bienen- oder Wespengift - funktioniert eine spezifische Immuntherapie sehr gut, so Torsten Zuberbier. Auch bei Heuschnupfen kann die Therapie einen Unterschied machen, also die Symptome so sehr lindern, dass Betroffene weniger oder keine Medikamente mehr brauchen. 

Es gibt allerdings ein «Aber». «Der Erfolg hĂ€ngt davon ab, wie gut die Therapie auf die individuelle AllergieausprĂ€gung abgestimmt ist», sagt der Allergologe. «Es gibt zum Beispiel bei der Birke verschiedene Unterallergene, die sollten vorab geprĂŒft werden. Nur dann ist die Hyposensibilisierung mit hoher Wahrscheinlichkeit auch erfolgreich.» Eine Hyposensibilisierung kann also nur gelingen, wenn es vorher eine gute Diagnostik gab. 

Letztes Jahr ging es mit dem Heuschnupfen, dieses Jahr ist's schlimm. VerÀndert sich meine Allergie? 

Nicht unbedingt. Meist liegt die ErklĂ€rung, warum sich die Pollenallergie gefĂŒhlt verĂ€ndert, eher im Außen. Jede Saison ist anders. «Es hĂ€ngt von der Menge des Pollenflugs ab, vom Wind, aber auch von der Luftfeuchtigkeit, die wiederum eine Rolle dabei spielt, wie sehr die Pollen platzen und das Allergen freisetzen», zĂ€hlt Torsten Zuberbier auf. 

Übrigens: Wird man auch zu Hause immer wieder von NiesanfĂ€llen oder einer verstopften Nase geplagt, gibt es womöglich noch eine weitere Allergie - etwa gegen Hausstaubmilben.


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(27.03.2026)


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