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Marktcheck: Ballaststoff-Limos sind vor allem Marketing


Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa/dpa-tmn

Wer auf Social Media durch Videos ĂŒber gesunde ErnĂ€hrung scrollt, kommt an Ballaststoffen (engl. «fiber») derzeit nicht vorbei. Unter dem Schlagwort «Fibermaxxing» raten Influencer dazu, der Darmgesundheit zuliebe möglichst viele dieser unverdaulichen Nahrungsbestandteile in die ErnĂ€hrung einzubauen. 

Mitunter halten sie dabei auch Limonaden in die Kamera, denen Ballaststoffe wie Inulin, Dextrine oder Akazienfasern zugesetzt sind. Sind diese sogenannten «High-Fiber-Drinks» ein Plus fĂŒr die Darmgesundheit oder nicht mehr als cleveres Marketing? 

Dieser Frage ist die Verbraucherzentrale Bayern in einem Marktcheck nachgegangen und hat sich acht Ballaststoff-Limos genau angeschaut. So viel vorab: «Eine Limo ersetzt einfach keine Linsensuppe», lautet das Fazit von VZ-ErnÀhrungsexpertin Daniela Krehl. 

Exkurs: Das sind Ballaststoffe - und darum sind sie wichtig 

Ballaststoffe sind Nahrungsbestandteile, die wir nicht oder nur teilweise verdauen können. HĂŒlsenfrĂŒchte, Vollkornprodukte, Obst und GemĂŒse enthalten besonders viel davon. 

Ballaststoffe regen die Verdauung an, gelten - vereinfacht gesagt - als «Futter» fĂŒr die nĂŒtzlichen Darmbakterien und sorgen dafĂŒr, dass wir lĂ€nger satt bleiben. Und: Eine höhere Ballaststoffzufuhr senkt das Risiko, an Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen zu versterben, schreibt die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) online. Die Fachgesellschaft rĂ€t Erwachsenen, 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag zu sich zu nehmen. 

Die Hersteller von «High-Fiber-Drinks» wollen dabei helfen, diese Zielmarke zu erreichen. Wer auf sie setzt, sollte aber genau hinschauen, denn es gibt mitunter große Unterschiede beim Ballaststoff-Gehalt. Dem VZ-Marktcheck zufolge stecken in einer Dose bzw. Flasche zwischen 4 und 10 Gramm. 

Wirkung der Ballaststoff-Drinks ist nicht geklÀrt

Ob die Ballaststoffe in den Drinks im Körper genauso wirken «wie in einem Vollkornbrot oder in einer Linsensuppe, ist wissenschaftlich noch gar nicht geklĂ€rt», sagt Daniela Krehl. Klar ist: Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Kichererbsen, Paprika oder Vollkornbrot haben gegenĂŒber den Limos einen Vorteil. Wer sie isst, nimmt automatisch weitere wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und sekundĂ€re Pflanzenstoffe zu sich. 

Vollmundige Versprechen zum Teil nicht zulÀssig

Was die VerbraucherschĂŒtzer besonders kritisch bewerten, sind die Gesundheitsversprechen, die auf den Dosen oder Webseiten zu lesen sind. «Da ist die Rede von "fördert die Verdauung, Stimmung und Energie" oder davon, dass die Ballaststoffe die kognitive Funktion verbessern können oder beim Abnehmen helfen sollen», beschreibt Daniela Krehl. 

Ausreichende wissenschaftliche Belege fĂŒr viele der Aussagen fehlen jedoch. Hintergrund: Nach der europĂ€ischen Health-Claims-Verordnung dĂŒrfen Hersteller nur dann Aussagen mit gesundheitlichem Bezug machen, wenn sie wissenschaftlich belegt und zugelassen sind. Einige Anbieter haben Werbeaussagen der Verbraucherzentrale Bayern zufolge bereits angepasst.

Fazit: Lieber hÀufiger Linsensuppe essen

«Jeder, der etwas fĂŒr sein Darm-Mikrobiom oder seine Verdauung tun möchte, der braucht wirklich keine teuren Ballaststoff-Limos fĂŒr fĂŒnf Euro pro Liter», fasst Daniela Krehl zusammen. 

Der bessere - und auch gĂŒnstigere - Weg: regelmĂ€ĂŸig Vollkornprodukte, HĂŒlsenfrĂŒchte, GemĂŒse, Obst und NĂŒsse in die ErnĂ€hrung einbauen - und von weiteren, wichtigen NĂ€hrstoffen profitieren. High-Fiber-Limos können diese Grundlage nicht ersetzen, sondern bestenfalls ergĂ€nzen, so die VerbraucherschĂŒtzer.


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(28.04.2026)


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