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AlptrÀume: Was dahintersteckt - und was hilft


Bild: Arman Zhenikeyev/Westend61/dpa-tmn

Es ist ein Wechselbad der GefĂŒhle: Todesangst, das Herz rast, SchweißausbrĂŒche. Man möchte nur noch weg aus dieser Situation - dann wacht man auf und Erleichterung macht sich breit. Das, was sich da scheinbar so real abspielte und auch körperlich echt anfĂŒhlte, war zum GlĂŒck «nur» ein Alptraum.

FrĂŒher dachte man, ein dĂ€monisches Wesen - der «Alb» - habe sich auf die Brust der Schlafenden gesetzt und die schlimmen TrĂ€ume verursacht, heute weiß man: Im Schlaf werden belastende Emotionen verarbeitet. Aber wann werden AlptrĂ€ume zum Problem? Und wie lassen sich die oftmals verstörenden TrĂ€ume interpretieren? Experten ordnen ein.

Was sind AlptrÀume eigentlich? 

«AlptrĂ€ume sind intensive, belastende TrĂ€ume, die mit vielen negativen GefĂŒhlen wie Angst, Bedrohung oder Hilflosigkeit einhergehen», sagt Tiefenpsychologin Helga Odendahl vom Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) fĂŒr Psychotherapie in Köln. Meistens erinnert man sich spĂ€ter noch sehr genau an diesen Traum, teils fĂŒhlt man sich auch tagsĂŒber noch belastet.

Gibt es «Klassiker», also TrÀume, die auf Àhnliche Weise vielen die Nacht schwer machen?

Viele Menschen haben Ă€hnliche AlptrĂ€ume. Zu typischen Szenarien zĂ€hlt etwa, dass man vor jemandem weglĂ€uft, aus großer Höhe nach unten fĂ€llt, der Boden sich vor einem auftut, dass man nackt vor einer Gruppe steht, dass man fliehen möchte aber die FĂŒĂŸe nicht bewegen kann, dass man bei einem wichtigen Termin zu spĂ€t kommt oder bei einer Klassenarbeit versagt.

Auch das Motiv, dass jemand plötzlich alle ZĂ€hne verliert, ist verbreitet. Ins Reich des Aberglaubens gehört aber die ErklĂ€rung, dass ein solcher Traum Geldverlust oder eine schlechte Nachricht voraussagt. «Solche Deutungsverfahren und vermeintlichen Vorhersagen sind ein historisch gewachsener Umgang mit TrĂ€umen, der problematisch ist», sagt der Schlafforscher Professor Michael Schredl vom Zentralinstitut fĂŒr Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. TrĂ€ume sind keine Zukunftsvorhersagen, eher sind sie eine Verarbeitung der Gegenwart oder Vergangenheit.

Was steckt aus psychologischer Sicht hinter AlptrÀumen? 

«Allgemein kann man sagen: TrĂ€ume greifen Themen auf, die uns tagsĂŒber beschĂ€ftigen und stellen diese dann in einer emotional dramatisierten Form dar», sagt Schredl. Der Schlafforscher vergleicht AlptrĂ€ume mit Schmerzen: «Keiner wird sagen, sie sind angenehm. Aber sie haben eine Funktion und zeigen, dass es sinnvoll ist, etwas zu tun. Beide sind sozusagen ein wichtiges Signal, um aktiv an bestimmte Themen heranzugehen.»

Auch Helga Odendahl sieht in den nĂ€chtlichen Bildern ein Zeichen des Unbewussten: «Meine TrĂ€ume machen mich auf etwas aufmerksam, oft auch auf GefĂŒhle, die ich tagsĂŒber verdrĂ€nge. Aber meine Psyche produziert diese TrĂ€ume, damit ich sie wahrnehme und fĂŒhle.»

Wer etwa oft trĂ€umt, verfolgt zu werden, hat womöglich eine unangenehme Aufgabe oder Begegnung vor sich, die immer wieder aufgeschoben wird. «Die ĂŒbertriebene Version im Traum ist dann das Monster oder ein unheimlicher Angreifer, der mich verfolgt», sagt Michael Schredl. Wer im Traum nackt vor anderen steht und sich dafĂŒr schĂ€mt, den beschĂ€ftigt womöglich die Frage: Was denken andere Menschen von mir? 

Was sind die Ursachen fĂŒr AlptrĂ€ume?

Traumforscher gehen heute davon aus, dass sich die AnfĂ€lligkeit fĂŒr AlptrĂ€ume mit einem sogenannten Veranlagungs-Stress-Modell erklĂ€ren lĂ€sst: Manche Menschen bringen - teils genetisch bedingt - eine grĂ¶ĂŸere Empfindlichkeit fĂŒr AlptrĂ€ume mit. Daneben spielen wahrscheinlich auch Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle. Ob AlptrĂ€ume sich dann tatsĂ€chlich hĂ€ufen, hĂ€ngt aber auch davon ab, wie viel Stress jemand erlebt.

Michael Schredl verweist auf die Forschung des Psychiaters Ernest Hartmann, wonach Personen mit sogenannten dĂŒnnen Grenzen hĂ€ufiger AlptrĂ€ume haben als andere. «Diese Personen sind kreativ, empathisch, offen, sensibel und ĂŒben hĂ€ufig ungewöhnliche Berufe aus, allerdings können sie sich gegen Stress schlecht abgrenzen», sagt er.

Helga Odendahl zufolge sind es hĂ€ufig Stress, Ängste, Sorgen und Konflikte, die einen akut beschĂ€ftigen, die AlptrĂ€ume auslösen. Aber auch traumatische und belastende Erlebnisse wie Gewalt- oder Verlusterfahrungen können schlimme TrĂ€ume hervorrufen.

«Menschen sind völlig unterschiedlich, wie sie damit umgehen können: Es hat nicht nur damit zu tun, ob man mit einer bestimmten DĂŒnnhĂ€utigkeit geboren wurde, sondern auch mit den eigenen Ressourcen und wie vulnerabel ich bin», so die Psychologin. Menschen, die gute und sichere Beziehungen haben, die sich aufgehoben fĂŒhlen, sind meist weniger von AlptrĂ€umen betroffen.

Können AlptrÀume langfristige Folgen haben? 

«Wenn ich mich nicht um meine AlptrĂ€ume kĂŒmmere, wenn ich null darauf eingehe, dann treten sie vermehrt auf. Ich wache stĂ€ndig mit Herzrasen auf, ich schlafe schlecht und die Stimmung wird schlechter», sagt Helga Odendahl.

AlptrĂ€ume können dann auch tagsĂŒber zu chronischer MĂŒdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und einem dauerhaft hohen Stressniveau fĂŒhren. Oft entwickeln Betroffene auch eine Art Vermeidungsverhalten. Am liebsten möchten sie gar nicht mehr einschlafen, weil sie damit nur noch Negatives verbinden. Auf Dauer können sich so auch Angststörungen und Depressionen entwickeln.

Daher gilt: «Vergessenwollen ist bei Ängsten dauerhaft nicht die richtige Strategie», sagt Michael Schredl. «Wenn man Angst vor der Angst entwickelt, zeigt das: Es gibt Themen, die ich angehen soll.» Treten AlptrĂ€ume mehr als einmal in der Woche auf und beeintrĂ€chtigen sie das Wach-Leben und die LebensqualitĂ€t deutlich, sollte man sich dem Schlafforscher zufolge professionelle Hilfe suchen.

LÀsst sich AlptrÀumen vorbeugen? 

«Das Wichtigste ist erst einmal, dass ich meine AlptrĂ€ume ernst nehme und mir meine GefĂŒhle anschaue. Wenn ich die immer verdrĂ€nge, komme ich mit Sicherheit irgendwann an einen Punkt, dass sich nachts das Unterbewusstsein meldet», so Helga Odendahl. GrundsĂ€tzlich sei es hilfreich, sich entspannen zu können - etwa mit Meditationen oder AtemĂŒbungen. 

Nicht zuletzt fördert es ruhigen Schlaf, wenn Menschen ihre GrundbedĂŒrfnisse befriedigen - also etwa nach Bewegung und frischer Luft und auf eine gute Schlafhygiene achten. Also möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit schlafen gehen, auf ausreichend Schlaf achten und auf beeintrĂ€chtigende Faktoren wie Alkohol verzichten.

Michael Schredl empfiehlt, EntspannungsĂŒbungen kurz vor dem Zubettgehen zu machen und nicht erst, wenn man schon im Bett liegt: «Gut wĂ€re eine Art Ritual, dass man dem Körper das Zeichen gibt, jetzt geht es los mit dem Übergang vom aktiven Wachmodus in den Schlafzustand.»

Was hilft, wenn AlptrÀume auf Dauer belasten? 

Bei chronischen AlptrÀumen gilt die Imagery Rehearsal Therapy (IRT) als wirksame Methode zur Behandlung. Die Grundidee: Betroffene schreiben einen belastenden Alptraum auf, erfinden bewusst ein neues, weniger bedrohliches Ende - und stellen sich dieses neue Drehbuch tÀglich bildlich vor. Das Ziel: Das Gehirn soll so lernen, das alte Angst-Skript durch das neue zu ersetzen. 

Michael Schredl empfiehlt folgende Vorgehensweise: 

  1. Schreiben Sie einen Alptraum auf, an den Sie sich gut erinnern können. «Hier wird das erste Signal gesetzt, dass man bereit ist, sich den Herausforderungen zu stellen - und sie im nÀchsten Schritt zu bewÀltigen.»
  2. Stellen Sie sich die Traumsituation nochmals vor und denken Sie darĂŒber nach, wie Sie die Situation zielgerichtet bewĂ€ltigen können. Wer davon trĂ€umt, verfolgt zu werden, kann sich zum Beispiel ĂŒberlegen, was passiert, wenn man sich zum Verfolger umdreht. Vielleicht wollte der vermeintliche Angreifer nur einen SchlĂŒsselbund bringen, den man verloren hat.
    «Weglaufen oder wegfliegen sind keine guten Strategien», sagt Schredl. Denn das bedeutet nur, dass ich wieder etwas vermeiden will. «Im Zweifel kann der Verfolger nÀmlich dann auch plötzlich fliegen», so der Experte. Besser: Sich eine aktive, kreative Lösung ausdenken und aufschreiben. 
  3. Damit sich dieses neue erlernte Muster auf die TrĂ€ume auswirkt, ist es wichtig, die Strategie einmal pro Tag durchzugehen und sich möglichst gut in der Vorstellung auszumalen. «Das sollte ich zwei Wochen lang tĂ€glich etwa fĂŒnf Minuten machen, aber nicht unbedingt vor dem Einschlafen», rĂ€t der Schlafforscher. Motto: «Das Wach-Ich trainiert das Traum-Ich.»

Das Gute an dieser Methode: Nicht nur ein spezieller Traum kann sich so in Wohlgefallen auflösen, auch kĂŒnftige AlptrĂ€ume werden weniger und weniger belastend. 

Eine Ausnahme sind dabei jedoch Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. FĂŒr sie könnte sich das Trauma dadurch eventuell sogar verstĂ€rken: «Sie brauchen auf jeden Fall eine intensive therapeutische Begleitung», sagt Michael Schredl.


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(23.07.2026)


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