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Emotionale NĂ€he entscheidet: Bin ich nur allein oder einsam?


Bild: Bernd Weißbrod/dpa/dpa-tmn

Einsamkeit kann Menschen in jedem Alter treffen - selbst wenn sie stĂ€ndig in Gesellschaft sind. Aber es gibt Menschen in bestimmten Lebenssituationen, die hĂ€ufiger gefĂ€hrdet sind. «Besonders verletzlich sind Menschen in ÜbergĂ€ngen», sagt Petra Beschoner, FachĂ€rztin fĂŒr Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin.

Die Professorin und Ärztliche Leiterin der Akutklinik Bad Saulgau hat diesen GefĂŒhlszustand der Einsamkeit bei Menschen in speziellen Lebenssituationen ausgemacht: 

  • Jugendliche beim Aufbau sozialer IdentitĂ€t
  • junge Erwachsene nach UmzĂŒgen oder Trennungen
  • Ă€ltere Menschen nach Verlusten 
  • Menschen nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben

«In solchen Lebenssituationen mĂŒssen sie ihre sozialen Netzwerke neu aufbauen oder sich an verĂ€nderte Rollen anpassen. Dadurch kann das GefĂŒhl entstehen, weniger verbunden oder unterstĂŒtzt zu sein», erklĂ€rt Beschoner. Zudem betreffe Einsamkeit sehr hĂ€ufig Menschen mit sozialer Unsicherheit oder belastenden Bindungserfahrungen. Ihnen fallen Aufbau und Pflege enger Beziehungen besonders schwer.

Auch in der Gruppe kann man sich isoliert fĂŒhlen

Die Psychiaterin macht Einsamkeit dabei nicht an der Anzahl der Kontakte fest, sondern an der empfundenen QualitĂ€t von Beziehungen. «Menschen können sich in Gruppen aufhalten und sich dennoch isoliert fĂŒhlen - oder umgekehrt ganz fĂŒr sich sein und trotzdem eine Verbindung zu anderen spĂŒren», so Beschoner. Das lĂ€ge daran, dass soziale NĂ€he mehr ist als die bloße Anwesenheit von Personen. 

«Wir Menschen brauchen emotionale Resonanz, das wĂ€rmende GefĂŒhl, gesehen und verstanden zu werden. Wenn diese Erfahrung fehlt, schlĂ€gt die Psyche Alarm», sagt die FachĂ€rztin. Was dann konkret passiert, beschreibt sie so: «Unser System meldet einen Mangel an Verbundenheit, Ă€hnlich wie Hunger uns körperlichen Bedarf signalisiert.» 

Dieses Signal sei zunĂ€chst eine völlig gesunde, sogar sinnvolle Reaktion und könne ein wertvoller Wegweiser sein. Problematisch werde es erst, wenn dieser Zustand ĂŒber lĂ€ngere Zeit anhĂ€lt und sich verselbststĂ€ndigt - also nicht in positiver VerĂ€nderung mĂŒndet, sondern zu Stress, Selbstzweifel und RĂŒckzug fĂŒhrt. «Viele Betroffene beginnen irgendwann zu glauben: "Mit mir stimmt etwas nicht" oder «Ich passe nicht zu anderen". Solche destruktiven Gedanken verstĂ€rken die Isolation», erklĂ€rt die Expertin. 

Doch wie entkommt man dem GefĂŒhlszustand der Einsamkeit? 

«ZunĂ€chst hilft es, das GefĂŒhl ĂŒberhaupt als Signal zu verstehen und nicht als Defekt. Schließlich ist es kein persönlicher Makel, sondern ein menschliches GrundgefĂŒhl. Einsamkeit sagt nichts ĂŒber den Wert von jemandem aus», schickt Petra Beschoner vorweg. Sie hĂ€lt den Zustand fĂŒr verĂ€nderbar. Oft seien es schon kleine Entscheidungen im Alltag, die Raum fĂŒr mehr NĂ€he schaffen. Ihre Tipps: 

  • Nicht nur auf Einladungen anderer warten, sondern selbst gezielt Leute, die man um sich haben möchte, nach einem Treffen fragen. 
  • Sich verstĂ€rkt auf einzelne Menschen fokussieren, die einem wirklich guttun, anstatt bloß möglichst viele oberflĂ€chliche Kontakte zu pflegen. 
  • Nicht zu glauben, man ist nicht richtig oder gehört nicht dazu. 
  • Es hilft, mit sich selbst in Kontakt zu treten und SelbstmitgefĂŒhl zu entwickeln. Denn Verbindung beginnt nicht nur im Außen, sondern schon im inneren Dialog. 

Auf dem Weg dahin ist Geduld ein entscheidender Faktor, sagt die Psychiaterin. Denn: «Wer sich nach mehr emotionaler NĂ€he sehnt, sollte sich dem Ziel Schritt fĂŒr Schritt annĂ€hern, anstatt sich mit großen, ĂŒberfordernden VerĂ€nderungen unter Druck zu setzen»


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(30.07.2026)


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