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Solo-Unternehmungen: Wie lerne ich, Dinge alleine zu tun?


Bild: Christin Klose/dpa Themendienst/dpa-tmn

Allein etwas zu unternehmen, fĂ€llt vielen Menschen zunĂ€chst schwer. Beobachten mich jetzt alle? Dabei kann Zeit allein helfen, selbstbewusster zu werden und die eigenen BedĂŒrfnisse besser wahrzunehmen. Wie kleine Schritte gegen NervositĂ€t helfen und warum Alleinsein kein Zeichen von SchwĂ€che ist, erklĂ€rt die Psychologin und Coachin Katharina Stenger im Interview.

Frage: Warum fÀllt es vielen Menschen so schwer, allein etwas zu unternehmen?

Katharina Stenger: Es fĂ€llt uns nicht leicht, allein etwas zu unternehmen, weil wir als soziale Wesen darauf geprĂ€gt sind, Teil einer Gruppe zu sein. Eine Gruppe gibt uns Schutz, Struktur und Orientierung. Allein, also außerhalb einer Gruppe, zu sein, kann deshalb schnell mit GefĂŒhlen von Einsamkeit oder Ausgeschlossenheit verbunden sein.

Man stellt sich dann die Frage: «Was denken die anderen ĂŒber mich?», oder schlimmer: «Was stimmt nicht mit mir?». Gerade in sozialen, öffentlichen RĂ€umen wie einem Restaurant entsteht das GefĂŒhl, beobachtet und sogar bewertet zu werden.

In der Psychologie spricht man vom «Spotlight-Effekt»: Wir ĂŒberschĂ€tzen, wie sehr andere Menschen unser Dasein und unser Verhalten wahrnehmen und bewerten. In Wirklichkeit sind die meisten Menschen sehr viel stĂ€rker mit sich selbst beschĂ€ftigt als wir meinen. Das ist doch erleichternd!

Hinzu kommt der soziale Vergleich. Wenn wir allein unterwegs sind und ĂŒberall Paare oder Gruppen sehen, entsteht schon mal der Eindruck, uns selbst wĂŒrde etwas fehlen. Dabei ist Alleinsein nicht das Gegenteil von Gemeinschaft und auch kein Zeichen dafĂŒr, dass etwas mit uns nicht stimmt. Es ist vielmehr eine eigenstĂ€ndige Form von Zeit, in der wir uns auf die eigenen BedĂŒrfnisse konzentrieren.

Frage: Wie kann man anfangen, ohne das Alleinsein zur Mutprobe oder zum Selbstoptimierungsprojekt zu machen? 

Stenger: Der wichtigste Punkt ist: Man muss nicht sofort ins kalte Wasser springen. Alleinsein lÀsst sich wie ein Muskel trainieren. Statt direkt allein in ein volles Restaurant zu gehen, kann man zunÀchst einen Spaziergang machen, die eigene Nachbarschaft erkunden oder einen Lieblingsplatz finden, an dem man 20 oder 30 Minuten allein verbringt. Ein Buch oder ein Journal können dabei helfen, die Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, das Freude macht. Das Handy sollte allerdings in der Tasche bleiben! Das Ziel ist, möglichst viele positive Erfahrungen mit der eigenen Gesellschaft zu sammeln.

Die Vorbereitung aufs Solo-Date darf leicht und spielerisch sein: einen Termin im Kalender reservieren, den Lieblingssong auflegen und, wer mag, ein bequemes Lieblings-Outfit anziehen. 

Wer beim Solo-Date nervös wird, sollte das GefĂŒhl nicht sofort verdrĂ€ngen und abbrechen. Wir dĂŒrfen das GefĂŒhl wahrnehmen, ruhig atmen und uns daran erinnern, dass die Reaktion des eigenen Körpers zunĂ€chst einmal nur eine ganz normale Reaktion auf eine ungewohnte Situation ist und nichts weiter. Wenn sich ein Schritt noch nicht gut anfĂŒhlt, darf man einen kleineren Schritt machen.

Frage: Was können Solo-Dates psychologisch bewirken - und wo liegen die Grenzen?

Stenger: Solo-Dates können vor allem das Selbstvertrauen stĂ€rken. Wenn wir allein entscheiden, wohin wir gehen, was wir machen und wie lange wir bleiben möchten, ĂŒben wir, die eigenen BedĂŒrfnisse wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Gleichzeitig spĂŒren wir: «Hey, ich kann das (auch) allein.» Gerade neue oder ungewohnte Situationen können so die Selbstwirksamkeit fördern. 

Alleinsein kann außerdem eine Pause von Ă€ußeren Reizen, Erwartungen und sozialen Rollen schaffen. So entsteht ein selbstbestimmter Raum fĂŒr Erholung, Reflexion, KreativitĂ€t und neue Impulse. Nach einem Date kann es deshalb hilfreich sein, kurz aufzuschreiben: Wie habe ich mich gefĂŒhlt? Was hat mir gutgetan? Was habe ich ĂŒber mich gelernt? 

Solo-Dates sind aber kein Heilmittel gegen Einsamkeit. Einsamkeit beschreibt einen subjektiv empfundenen Mangel an Verbundenheit und kann auch dann auftreten, wenn man viele Menschen um sich hat. Gesundes Alleinsein bedeutet deshalb nicht, sich von anderen zurĂŒckzuziehen oder Beziehungen zu ersetzen. Die Idee ist vielmehr: Zeit allein kann eine ErgĂ€nzung zu Gemeinschaft sein und dabei helfen, auch die Verbindung zu sich selbst wiederzufinden.


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(22.09.2026)


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