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Was gute GesprÀche wirklich ausmacht


Bild: Aturuxo Studio/Westend61/dpa-tmn

Ein Klick, ein Herzchen, ein kurzes «thx»: Über digitale KanĂ€le sind Menschen stĂ€ndig miteinander in Kontakt. Doch Vernetzung ist nicht dasselbe wie Verbundenheit. Wer regelmĂ€ĂŸig Nachrichten, Fotos und Reaktionen austauscht, fĂŒhlt sich nicht automatisch gesehen oder verstanden.

Genau darum geht es beim sogenannten «Deep Talk»: um GesprĂ€che, in denen Menschen mehr miteinander teilen als Höflichkeitsfloskeln - und sich als Person wahrgenommen fĂŒhlen.

«WĂ€hrend gute GesprĂ€che uns innerlich stĂ€rken, verstĂ€rken oberflĂ€chliche Kontakte das GefĂŒhl der Einsamkeit», sagt der Psychologe und Autor Rolf Schmiel («Vom GlĂŒck des guten GesprĂ€chs»). Die gute Nachricht: Konstruktiver Dialog lĂ€sst sich erlernen. Wie kann aus Kontakt echte Verbindung werden? Was macht Deep Talk aus – und wo liegen seine Grenzen? Ein Überblick:

Was macht ein GesprÀch zu einem guten GesprÀch?

Ein gutes GesprĂ€ch muss nicht immer lang oder außergewöhnlich tiefgrĂŒndig sein. «Als gutes GesprĂ€ch empfinden wir es aus psychologischer Sicht, wenn wir uns gesehen und verstanden fĂŒhlen. Wenn ich das GefĂŒhl habe, ich darf ĂŒber alles reden, was mir wichtig ist», sagt Schmiel. 

Ein Austausch bleibt dagegen oberflĂ€chlich, wenn lediglich routinemĂ€ĂŸige Fragen gestellt werden - nach dem Motto «Na, wie war der Urlaub?» -, ohne dass echtes Interesse an der Antwort besteht. 

Die Soziologin Marie-Kristin Döbler vom Institut fĂŒr Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) in MĂŒnchen sagt: «Gute GesprĂ€che bestĂ€tigen uns in unserer IdentitĂ€t. Sie zeigen uns, dass wir als Person gesehen werden - nicht nur als eine RollentrĂ€gerin oder als Vertreter von einer Institution oder als jemand, der eine bestimmte Aufgabe erfĂŒllt.»

Damit kann ein gutes GesprĂ€ch auch ĂŒber den Moment hinauswirken. «Ein gutes GesprĂ€ch zahlt immer auf den Selbstwert des GesprĂ€chspartners ein», sagt Schmiel. Das kann sich auf verschiedenen Ebenen auswirken. «Man kann selbstbewusster werden, weniger Ă€ngstlich und kĂŒnftig vielleicht noch bessere Entscheidungen treffen», so der Psychologe.

Was braucht es fĂŒr einen guten Austausch?

«Das Wichtigste ist, dass man ein echtes und authentisches Interesse an seinem GegenĂŒber zeigt, das nicht nur gespielt ist», sagt Marie-Kristin Döbler. Dazu zĂ€hlt etwa, sich daran zu erinnern, was in einem vorausgegangenen GesprĂ€ch erzĂ€hlt wurde. «Das hat viel mit WertschĂ€tzung zu tun, wenn man dann bei der nĂ€chsten Begegnung konkret nachfragt, und nicht nur eine Art Agenda abarbeitet.»

Ebenso wichtig ist die ungeteilte Aufmerksamkeit. Wer wĂ€hrend des GesprĂ€chs auf das Handy schaut, einem vorbeigehenden Menschen hinterherblickt oder sich sichtbar mit eigenen Gedanken beschĂ€ftigt, vermittelt dem GegenĂŒber, nicht ganz bei ihm zu sein.

Auch Ehrlichkeit und Zugewandtheit sind fĂŒr gute GesprĂ€che zentral. «Ich spĂŒre das und nehme es unbewusst wahr, wenn einer nur pseudo zuhört und nur so tut, als ob er sich fĂŒr mich interessiert», so Schmiel. 

Kann jeder lernen, gute GesprĂ€che zu fĂŒhren?

«Ich bin ĂŒberzeugt, dass das fast jeder kann», sagt Schmiel. Nach Ansicht von Döbler braucht es dafĂŒr vor allem «ein starkes situatives EinfĂŒhlungsvermögen». Soziologen sprechen von dem Konzept «kompetenter Akteur»: «Das hört sich sehr herausfordernd und hochtrabend an, aber eigentlich bezeichnet es nur das GespĂŒr fĂŒr Situationen. Das haben jedoch viele», sagt sie.

Das GespĂŒr hilft uns auch dabei, fĂŒr die Situation angemessene Fragen zu stellen. «Wenn ich sonst mit Kollegen nur ĂŒber Dienstliches spreche, wĂ€re es völlig unangemessen, mal nachzufragen, wie es aktuell in der Beziehung lĂ€uft», sagt die Wissenschaftlerin.

Was hilft mir dabei, gute GesprĂ€che zu fĂŒhren?

«Es ist total einfach, das zu lernen», so Schmiel. Aus seiner Sicht ist dabei die Regel: Rede gut mit dir selbst! «Wer sich morgens schon vor dem Spiegel selbst abwertet und sich fĂŒr seine Miseren im Alltag permanent selbst die Schuld gibt, wird selten jemand sein, der anderen im GesprĂ€ch etwas geben kann.»

Schmiel empfiehlt stattdessen, sich morgens mit Affirmationen selbst zu stĂ€rken: «Ich bin dankbar, ich bin glĂŒcklich, ich bin gesund und zuversichtlich.» Dieses Vorgehen fĂŒhre dazu, dass das Unterbewusstsein schon mit positiven Programmen gefĂŒttert werde: «So gehe ich ganz anders in den Tag, als wenn der erste Gedanke ist: Scheiße, heute ist Montag. Und mein Mann hat schon wieder den Klodeckel oben gelassen.»

Dann folgt der nĂ€chste Schritt: «Wenn du jemandem begegnest, sei freundlich und zugewandt», so Schmiel. Dabei sollte man es nicht nur bei einer allgemeinen Grußformel belassen, sondern eine interessierte Frage stellen. «Und zwar so, dass du auch wirklich die Antwort hören willst!», so der Psychologe. 

Allein diese drei Schritte verÀndern laut Schmiel nachhaltig die KommunikationsqualitÀt: «Denn dann bin ich jemand, der mit sich selbst im Reinen ist, der anderen freundlich begegnet und ihnen Raum gibt. Das macht schon einen unfassbaren Unterschied.»

Was hilft, wenn der Einstieg in gute GesprÀche schwerfÀllt?

«FingerspitzengefĂŒhl ist besser, als ein Katalog von abzuarbeitenden, Investigativ-Fragen», sagt Diplom-Psychologe Schmiel. Eine gute Methode, um ins ErstgesprĂ€ch zu kommen: etwas, das man beobachtet, wohlwollend anzuerkennen und dazu eine Frage zu stellen.

Wer etwa sieht, dass ein GeschĂ€ftspartner eine neue Aktentasche hat, kann sagen: «Die ist ja toll - woher hast du die?» Werden Komplimente mit einer Frage verknĂŒpft, entsteht sofort eine positive AtmosphĂ€re. 

«Einem Kompliment kann sich kaum einer entziehen», so Schmiel. «Und das interessierte Nachhaken gibt mir die Möglichkeit, etwas Schönes ĂŒber mich zu erzĂ€hlen. Dann fĂŒhle ich mich automatisch besser.»

Braucht es eine enge persönliche Beziehung?

Nein. «Manchmal kann man sich hervorragend mit wildfremden Menschen unterhalten, vielleicht auch, weil ich weiß, die sehe ich nie wieder», sagt Döbler. Etwa beim Bahnfahren, wenn man gemeinsam mit Fremden auf einen verspĂ€teten Zug oder einen verpassten Anschluss wartet. 

«Eigentlich ist der Ausgangspunkt nur das Bahn-Chaos - und darĂŒber entdeckt man dann, dass einem das GegenĂŒber sympathisch ist. Und dann entwickelt sich ein ganz anderes GesprĂ€ch und man ist relativ schnell bei sehr persönlichen Themen», so Döbler.

Welche Grenzen sollte man beachten?

Wer eine persönliche Nachfrage stellt, sollte dem anderen immer die Gelegenheit gegeben, individuell darauf zu reagieren. Und auch akzeptieren, wenn das GegenĂŒber nicht ins Detail gehen möchte. «Die eindringliche Frage: 'Sag mal, dir geht's nicht gut?' kann sich auch schnell wie ein Angriff anfĂŒhlen», sagt Schmiel. Vor allem dann, wenn man permanent nachhakt: «Es gibt nicht unangenehmeres als Pseudopsychologen, die dauernd nur Deep Talks fĂŒhren wollen - und sich damit deutlich ĂŒbergriffig verhalten.»

Nicht alles lĂ€sst sich zudem durch ein gutes GesprĂ€ch lösen. «Man kann bei guten GesprĂ€chen zwar auch völlig unterschiedlicher Meinung sein, aber schwierig wird es, wenn man die ewig selben GesprĂ€che mit Menschen fĂŒhrt, denen man immer wieder begegnet - wie etwa Eltern oder Geschwistern», sagt Döbler. Sie hĂ€lt es in solchen FĂ€llen fĂŒr zulĂ€ssig, bewusst bei einem unverfĂ€nglichen Austausch zu bleiben: «In solchen FĂ€llen dann statt Deep Talk mal Small Talk fĂŒhren».


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(29.09.2026)


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